Mit Vitamin D gegen COVID-19?

Vorbemerkung: Die Diskussionen um die Sinnhaftigkeit von Vitamin-D-Supplementen sind sehr kontrovers. Leider werden sie häufig von persönlichen Glaubenssätzen oder verdeckten wirtschaftlichen Interessen geleitet. Als Heilberufler und Wissenschaftler bin ich dem Wohl der Patient*innen und der wissenschaftlichen Evidenz verpflichtet. Die folgende Übersicht zur Anwendung von Vitamin D bei COVID-19 ist daher kein Meinungsbeitrag, sondern fasst die wissenschaftliche Datenlage zum aktuellen Zeitpunkt zusammen. Diese Datenlage mag Manchem zwar nicht gefallen, aber sie ist nun einmal so, wie sie ist.

Weitere wissenschaftlich fundierte Informationen zu anderen Vitaminen und Mineralstoffen gibt es hier.

Vitamin D im Kontext der Corona-Pandemie

Im Laufe der Corona-Pandemie wurde schnell deutlich, dass ernährungsmitbedingte Erkrankungen wie Adipositas, Hypertonie, Diabetes Typ 2 und das metabolische Syndrom relevante Risikofaktoren für schwere Krankheitsverläufe und erhöhte Sterblichkeit sind. Entsprechend berechtigt ist der ernährungsmedizinisch begründete Hinweis, dass sich die COVID-19-Krankheitlast durch Ernährungsprävention vermutlich erheblich reduzieren ließe (Muscogiuri et al. 2020).

Im Zusammenhang mit diesen potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren rückte schnell Vitamin D in den Fokus (Mitchell 2020, Biesalski 2020). Die ersten Vitamin-D-Empfehlungen stammten nicht von Wissenschaftlern oder Gesundheitsorganisationen, sondern von Bloggern und Influencern, die ihren Followern Vitamin D zur Prävention von Infektionen mit SARS-CoV-2 empfahlen.

Angesichts der Bedeutung von Vitamin D für das Immunsystem und des ökonomischen Potenzials der Supplemente war das wenig überraschend. Die Tatsache, dass es bisher weder einen Impfstoff noch eine etablierte Arzneimitteltherapie von COVID-19 gibt, tat ihr Übriges. Dazu kommt das psychologisch verständliche Bedürfnis vieler Menschen nach mehr Selbstwirksamkeit angesichts einer als bedrohlich empfundenen Pandemie, der man vermeintlich hilflos ausgeliefert ist. Diese Gemengelage sollte den nüchternen Blick auf die Studienlage jedoch nicht trüben.

Sowohl in Pandemie-Zeiten als auch sonst müssen Empfehlungen zur Supplementation mit Mikronährstoffen wissenschaftlich fundiert und evidenzbasiert sein. Umgekehrt darf die Tatsache, dass Vitamin D seit Langem als „Quasi-Wundermittel“ gegen alle möglichen Krankheiten mit völlig überzogenen und längst widerlegten Heilsversprechungen beworben wird, nicht voreilig und ungeprüft zu dem Schluss führen, dass es auch im Zusammenhang mit COVID-19 völlig wirkungslos ist.

Hinweise aus Laborstudien

Die physiologische Bedeutung von Vitamin D für ein funktionierendes Immunsystem ist gut erforscht und völlig unstrittig. Vor diesem Hintergrund vertreten einige Autoren die Hypothese, dass die Häufung von Atemwegsinfekten und der saisonale Höhepunkt der Grippe im Winter/Frühjahr eine Folge der dann besonders niedrigen Vitamin-D-Spiegel sind (Cannell et al. 2006). Die entsprechenden Assoziationsstudien sind zahlreich (Gunville et al. 2013).

In Zellversuchen wurden schon vor längerer Zeit beobachtet, dass Vitamin D im Lungengewebe eine virushemmende Wirkung haben kann (Beard et al. 2011). Aussagekräftiger als einzelne Studien an isolierten Zellen im Labor sind aber sogenannte Metaanalysen, die große Studien mit vielen Menschen zusammenfassen.

Und diese Metaanalysen liefern ein differenziertes Bild, das aber eigentlich ganz einfach ist: Zur Prävention von grippalen Infekten, von viralen Atemwegserkrankungen und auch von Influenza ist eine Vitamin-D-Supplementation nur dann wirksam, wenn vorher ein Vitamin-D-Mangel bestand (2-OH-D3-Konzentration im Blutserum < 30 nmol/l; entspr. < 12 ng/ml) (Martineau et al. 2019). Wer ohnehin einen guten Vitamin-D-Status hat (das heißt, die Serumkonzentration liegt > 50 nmol/l), der erfährt durch zusätzliches Vitamin D auch keine präventive Wirkung.

Offensichtlich ist Vitamin D (anders als bestimmte Medikamente) nicht an sich antiviral wirksam, sondern ein Vitamin-D-Mangel erhöht umgekehrt die Anfälligkeit für Virusinfekte der Atemwege. Ist ein vorliegender Mangel gezielt behoben, ergibt sich durch die zusätzliche Supplementation kein Vorteil (Martineau et al. 2019).

Studien zu Vitamin D und COVID-19

Wechselt man von den Laborversuchen zur Human-Epidemiologie, wird die Studienlage zum Zusammenhang von Vitamin D und COVID-19 widersprüchlich (Prietl et al. 2013). Erste Studien aus den Anfangswochen der Corona-Pandemie schienen zu bestätigen, dass ein Vitamin-D-Mangel ursächlich für eine COVID-19-Erkrankung ist: Beispielsweise wurde wiederholt gezeigt, dass schwer erkrankte COVID-19-Patienten häufiger einen Vitamin-D-Mangel haben als die Durchschnittsbevölkerung oder als symptomfreie Patienten (Merzon et al. 2020, Kaufman et al. 2020).

Auch in einer größeren US-amerikanischen, rückblickenden Kohortenstudie mit 489 COVID-19-Patienten wurde gezeigt, dass Bevölkerungsgruppen mit statistisch (!) schlechterer Vitamin-D-Versorgung (Ältere, Pflegeheimbewohner, Afroamerikaner) häufiger und schwerer erkranken als Menschen mit ausreichender Vitamin-D-Versorgung (> 20 ng/ml) (Meltzer et al. 2020). Andererseits konnte die Autoren einer deutsch-österreichischen Studie mit 109 COVID-19-Patienten keinen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Status und Krankheitsschwere oder Lungenfunktion feststellen (Pizzini et al. 2020).

Der Großteil dieser Daten ist allerdings praktisch ohne Aussagekraft, da entweder entscheidende Störfaktoren nicht berücksichtigt oder der Vitamin-D-Spiegel erstmals zum Zeitpunkt der Krankenhausaufnahme erfasst wurde. Weshalb ist gerade dieser zweite Punkt so kritisch? Wenn ein Patient mit schwerer COVID-19-Symptomatik ins Krankenhaus aufgenommen wird und dort ein Vitamin-D-Mangel festgestellt wird, dann heißt das noch lange nicht, dass dieser Patient bereits früher, also zum Zeitpunkt der Infektion, einen Vitamin-D-Mangel hatte. Genauso wenig ist das ein Beweis dafür, dass dieser Vitamin-D-Mangel die Ursache der COVID-19-Erkrankung ist.

Was ist „umgekehrte Kausalität“?

Hinter diesem in Studien beobachteten Zusammenhang steckt viel eher ein Effekt names „umgekehrte Kausalität“: Im Rahmen einer akuten, schweren Infektion sinkt der Vitamin-D-Spiegel nämlich kurzfristig drastisch ab (Sattar et al. 2012). Ein bei Krankenhausaufnahme gemessener, niedriger Vitamin-D-Spiegel ist also möglicherweise Folge (und nicht Ursache) der COVID-19-Erkrankung.

Beispielsweise tritt ein Vitamin-D-Mangel überdurchschnittlich häufig bei Erkrankungen und Lebensumständen auf, die ihrerseits das COVID-19-Risiko erhöhen, also in hohem Lebensalter, bei Adipositas oder bei Diabetes Typ 2. Bereits in der Vergangenheit wurde darauf hingewiesen, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel z. B. bei anderen entzündlichen Erkrankungen Folge der Entzündung und eben nicht zwingend Erkrankungsursache ist (Autier et al. 2013).

Dies bestätigen zwei detaillierte Biobank-Analysen aus Großbritannien mit 656 bzw. 1.326 COVID-19-Patienten (Hastie et al. 2020, Raisi-Estabragh et al. 2020): Zwar erwecken die Rohdaten hier auf den ersten Blick ebenfalls einen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad des COVID-19-Verlaufs und dem Vitamin-D-Status. Bezeichnenderweise verschwand dieser Zusammenhang aber, wenn die Wissenschaftler bekannte Störfaktoren ausschlossen: Weder eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung noch ein Vitamin-D-Mangel waren in diesen Biobank-Analysen mit der Krankheitsschwere oder der Sterblichkeit assoziiert.

Klinische Studien mit erheblichen Mängeln

Obwohl aktuell weltweit randomisiert-kontrollierte Interventionsstudien zur Anwendung von Vitamin D bei COVID-19-Patienten laufen (mit Hoch-Dosierungen von bis zu 200.000 I.E./Tag), gibt es bisher keinerlei aussagekräftigen Daten zur Wirksamkeit von Vitamin D am Menschen (Meltzer et al. 2020, Ebadi et al. 2020). Entsprechende Fallberichte und Pilotstudien sind meist nicht viel mehr als Anekdoten oder weisen erhebliche methodische Mängel auf. Zu diesen „erheblichen methodischen Mängeln“ gehört es zum Beispiel, wenn die Patienten der Kontrollgruppe kein Placebo erhielten oder wenn die Vitamin-D-Einnahme nicht ausreichend kontrolliert wurde (Biesalski 2020, Castillo et al. 2020).

Die häufig als Beleg für die Vitamin-D-Wirksamkeit angeführte Studie von Castillo et al. 2020 ist ein weiteres typisches Beispiel dafür, was es bedeutet, wenn potenzielle Störfaktoren nicht ausreichend berücksichtigt werden. In dieser spanischen Studie wurden die COVID-19-Patienten bei Krankenhausaufnahme zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: Während die Patienten der Interventionsgruppe neben der Standardtherapie noch zusätzlich Vitamin D erhielten (0,5 mg Calcifediol), erhielten die Patienten der Kontrollgruppe nur die Standardtherapie (ohne Vitamin D). Anschließend wurde erfasst, welcher Anteil der Patienten in den folgenden Tagen aufgrund der Krankheitsverschlechterung auf die Intensivstation verlegt werden musste.

Tatsächlich zeigte sich: Während nur 2 % der Patienten aus der Vitamin-D-Gruppe auf der Intensivstation landeten, waren es sage und schreibe 50 % der Patienten aus der Kontrollgruppe ohne Vitamin D. Allerdings wies die Zusammensetzung der beiden Gruppen gravierende Unterschiede auf. So hatten in der Vitamin-D-Gruppe nur 6 % der Patienten einen Diabetes und 24 % Bluthochdruck; in der Kontrollgruppe (ohne Vitamin D) hatten dagegen 19 % der Patienten einen Diabetes und 57 % Bluthochdruck. Diabetes und Bluthochdruck sind entscheidende Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe.

Angesichts dieser Gruppenzuteilung überrascht nicht, dass die Patienten aus der Vitamin-D-Gruppe seltener auf die Intensivstation mussten. Wenn man die (relativ) Gesunden in die Vitamin-D-Gruppe packt und die (relativ) Kranken in die Kontrollgruppe, dann ist vorher klar, was herauskommt.

Offiziellen Empfehlungen sind eindeutig

Angesichts dieser Fakten stellt das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) wenig überraschend fest: „There is no evidence to support taking vitamin D supplements to specifically prevent or treat COVID-19” (NICE 2020). Und auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) konstatiert in seiner Stellungnahme vom 10. September 2020: „Im Internet wird suggeriert, dass die Einnahme von (zum Teil sehr hoch dosierten) Vitamin-D-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln vor einer Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 […] schützen kann. Es sind dem BfR keine Studien bekannt, die belegen, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten vor einer Infektion mit diesem Virus bzw. der Auslösung der Erkrankung schützt.“

Im Widerspruch zu diesen Fachempfehlungen raten verschiedene Einzelautoren zur pauschalen Gabe von hochdosiertem Vitamin D an alle COVID-19-Patienten (50.000 – 300.000 I.E., (Charoengamm & Holick 2020, Liu et al. 2020)) oder gleich an die gesamte Bevölkerung (10.000 I.E./Tag, (Grant et al. 2020)). Derartige experimentelle Empfehlungen sind weder durch klinische Erfahrung noch durch wissenschaftliche Evidenz abgesichert.

Mehr noch: Die Anwendung von hochdosiertem Vitamin D bei COVID-19-Patienten widerspricht dem grundlegenden Schutzprinzip der Medizin, dem primum nil nocere („zuerst nicht schaden“): Heilberufler sind verpflichtet, eine Maßnahme erst dann durchzuführen oder zu empfehlen, wenn erwiesen ist, dass der Nutzen größer ist als der Schaden. Das ist für diese Hochdosisempfehlungen nicht der Fall.

Dagegen sind Empfehlungen zur prophylaktischen Einnahme niedriger dosierter Vitamin-D-Präparate (beispielsweise in der Größenordnung von 2.000 I.E./d), wie sie an anderer Stelle vorgeschlagen werden (Benskin 2020), zwar ebenfalls ohne Wirksamkeitsnachweis. Zumindest sind diese Dosierungen aber gesundheitlich unbedenklich, so lange sie unterhalb des tolerable upper intake levels der europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) für Erwachsene liegen (max. 4.000 I.E./Tag).

Zusammenfassung der Datenlage

Fasst man die Datenlage zum möglichen Einfluss des Vitamin-D-Status auf das Erkrankungsrisiko und den Verlauf von COVID-19 zusammen, ergibt sich ein relativ eindeutiges Bild: Die physiologische Bedeutung von Vitamin D für eine funktionierende Immunabwehr ist unstrittig. Die biochemisch abgeleitete Hypothese, eine Vitamin-D-Supplementation könne sich positiv auf Erkrankungsrisiko und -verlauf auswirken, klingt zumindest plausibel.

In der Realität deuten epidemiologische Daten aus den USA und Europa dagegen auf eine umgekehrte Kausalität hin (Vitamin-D-Mangel als Folge, nicht als Ursache der COVID-19-Erkrankung) und lassen niedrige Vitamin-D-Spiegel als Marker eines aus anderen Gründen erhöhten Erkrankungsrisikos erscheinen (hohes Alter, Adipositas, Multimorbidität). Es gibt keine aussagekräftigen randomisiert-kontrollierten Studien zur Wirksamkeit einer Vitamin-D-Supplementation zur Prävention oder adjuvanten Therapie einer SARS-CoV-2-Infektion.

Und selbst die prominentesten Vertreter der Vitamin-D-Supplementation wie Michael F. Holick kommen aufgrund dieser Studienlage zu der Schlussfolgerung: „The efficacy of vitamin D is still unclear“ – die Wirksamkeit von Vitamin D ist unklar (Charoengamm & Holick 2020).

Wie hoch sollte der Blutwert für Vitamin D sein?

Angesichts der bevorstehenden dunklen Jahreszeit und der unklaren infektiologischen Entwicklungen ist eine gute Vitamin-D-Versorgung der Bevölkerung aus Public-Health-Perspektive ohne Zweifel empfehlenswert. Ein erneuter Lockdown dürfte sich ebenfalls tendenziell negativ auf den Vitamin-D-Status der Bevölkerung auswirken (Lanham-New et al. 2020).

Die anzustrebenden, optimalen Vitamin-D-Konzentrationen im Blut (25-OH-D-Serumkonzentrationen) bewegen sich gemäß internationalem Konsens zwischen 50 – 125 nmol/l (entspr. 20 – 50 ng/ml). Dieser Referenzbereich ist übrigens viel weniger umstritten als gerne suggeriert wird. Er wird beispielsweise sowohl vom US-amerikanischen Institute of Medicine (IOM), den National Institutes of Health (NIH) als vom deutschen Robert Koch-Institut (RKI) offiziell vertreten. Bei diesem Referenzbereich handelt es sich also nicht um eine subjektive Meinung, sondern um die wissenschaftlich begründete Position der weltweit führenden Fachgesellschaften.

Sicherlich ist es der allgemeinen Gesundheit zuträglich, eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr sicherzustellen – falls nicht anders möglich, auch über Supplemente. Die dazu erforderliche Vitamin-D-Dosierung ist individuell allerdings sehr unterschiedlich und kann nur individuell festgelegt werden, nachdem der Blutwert bestimmt wurde. In Bezug auf den Schutz vor COVID-19 (und anderen viralen Atemwegsinfekten) am sinnvollsten ist die Supplementation vermutlich bei Menschen mit einer niedrigen Ausgangsserumkonzentration von unter 25 nmol/l (McAuliffe et al. 2020).

Eine präventive oder therapeutische Wirkung von Vitamin D hinsichtlich COVID-19 kann zwar behauptet und vermutet werden – aktuell gibt es dafür aber keinen klinischen Beweis.

Fazit für die Praxis

Auf dieser Datenbasis kann man für sich persönlich natürlich trotzdem zu anderen Schlussfolgerungen kommen und eine Vitamin-D-Supplementation nach dem Motto „Es wird schon nicht schaden“ in Erwägung ziehen (Martineau & Forouhi 2020). In diesem Fall sollten bei der unspezifischen Supplementation der gesunden Allgemeinbevölkerung Dosierungen zwischen 800 – 2.000 I.E./d angestrebt und die von der EFSA empfohlene Höchstdosis von 4.000 I.E./d (100 µg) aus guten Gründen nicht überschritten werden (Lanham-New et al. 2020). Insbesondere bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion muss zur Vermeidung von Gesundheitsschäden vor der unkontrollierten Einnahme höherdosierter Vitamin-D-Präparate gewarnt werden.

Und zum Schluss: Die wichtigsten Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe sind (neben dem Alter) Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 und metabolisches Syndrom. Zur Prävention ist daher ein grundsätzlich optimierter Ernährungsstatus mehr als empfehlenswert – und vermutlich wirksamer als die Einnahme einzelner Vitamin-Präparate (Muscogiuri et al. 2020). Entsprechende ernährungs- und gesundheitspolitische Maßnahmen wären angesichts der Corona-Pandemie eigentlich dringender denn je (Tan et al. 2020).

Die Studienlage zum Einfluss von Vitamin D auf COVID-19 ist unübersichtlich und kontrovers.

Dieser Beitrag erschien in veränderter Form erstmals am 8.10.2020 in der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ 2020; 41: 48 – 50).

40 Kommentare

  1. Vielen Dank für diese umfassende Information. Allerdings wüsste ich gerne noch, welches Vitamin D man – im Falle man es doch „präventiv“ einnehmen möchte, nehmen sollte – Vitamin D3, D2 oder aktives Vitamin D? Vielen Dank für eine Antwort im Voraus

    1. Die beiden Hauptvertreter der D-Vitamine, Cholecalciferol (D3) und Ergocalciferol (D2), besitzen praktisch dieselbe biologische Aktivität (1 µg = 40 I.E.) und unterscheiden sich somit zunächst nicht in ihrer Wirkung. Allerdings ist Vitamin D2 als Supplement möglicherweise geringfügig sicherer als Vitamin D3, da es auch in hohen Dosen zu einem weniger ausgeprägten 25-OH-D3-Anstieg im Blut führt. Bei Einhalten der Dosierungsempfehlungen (also max. 4.000 I.E./Tag zur unspezifischen Prävention) hat dies aber keine praktische Relevanz.

  2. Vielen Dank für den ausführlichen Artikel und Lob für die ausführlichen Quellangaben. Ich las über den Vitamin-D-Status in Deutschland: Nur ein Drittel der Bevölkerung ist ausreichend mit Vitamin-D versorgt. Leider kümmert sich der Hausarzt überhaupt nicht darum und den Spiegel bestimmen zu lassen muss man selbst bezahlen. Ich musste meinen Mangel selber ermitteln und beseitigen. 0 Hilfe „Warum wollen Sie das wissen“ fragte er mich. Ich war im Winter immer müde und depressiv gestimmt. Als ich dann das erste mal Vitamin-D einnahm (1.000 E/Tag) ging es mir schon nach 2 Tagen! deutlich besser. Ich kann jeden nur ermuntern zu supplemetieren. Als ich dem Apotheker berichtete, wie gut es mir geholfen hatte, sagte er „nehmen wir alle hier, jeden Tag“ ach Danke antwortet ich, warum hat mir weder der Arzt noch Sie jemals einen Tip gegeben. Ich hatte mein Leben lang jeden Winter Probleme. Auch viele Infektionen. Nur durch eine Fernsehsendung vom NDR kam ich auf das Thema.

  3. Sehr geehrter Professor Smollich, niemand wird erwarten, das Vitamin D vor dem Virus schützt, oder vor dem Auslösen der Erkrankung. 12 Millionen Menschen in Deutschland haben kleiner 12ng/ml Vitamin D also viele auch nur 6 oder 7. Diese müssen ihren Speicher um 500 % auffüllen, wenn sie auf 35 nm/gl kommen wollen. Die Forschung im Schweinebereich hat ermittelt: Der Vitamin D gehalt im Blut spiegelt sich in den Schleimhäuten der Nase und des Rachens wieder, bei der Menge Abwehrmarker die man da findet. Stellen wir uns mal vor wir wären im Jahr 2019, niemand würde die Wichtigkeit eines guten Gehalts an Vitamin D bestreiten, ja hoffentlich unterstützen, das Menschen einer Wert über 25 bis 35 als Ziel haben. Heute ist jemand der es fordert, damit die körpereigene Abwehr funktioniert, schon fast ein Coronaleugner, Impfgegner, jemand der bei Politik, bei der Presse, bei den führenden Meinungsmachern in diesem Land ausgegrenzt wird. Danke für die Graphik, sie verdeutlicht wirklich wie gering 5 bis 10 ng/ml Vitamin D sind.

  4. Hier nun eine weitere Interventionsstudie die den hohen Nutzen von VitD-Gaben in der Covid-Therapie zur Reduktion der Mortalität beweist:
    https://doi.org/10.3390/nu12123799

    Und Prävention ist besser als Therapie: Jeder Mensch sollte in diesen Zeiten einen Vitamin-D-Spiegel (25OHD) von mindestens 20 ng/ml besser > 30 ng/ml haben. Nur leider kennen die wenigsten ihren Spiegel und wissen nicht, dass laut RKI sogar 80% der Menschen in den Monaten Dez-Feb unterhalb 20 ng/ml liegen. Der 25OHD-Spiegel der Deutschen sinkt seit ca. Ende September jeden Monat um 20% und wir fragen uns, warum die Covid-Verläufe immer schlimmer werden.

    Wäre schön, wenn sich die Herren Drosten und Wieler mal dazu äußern könnten und im Bundestag mal jemand Herrn Spahn darauf ansprechen könnte. In Großbritannien, wird VitD seit Anfang des Jahres an Bedürftige kostenlos abgegeben, leider in „homöopathischen“ Dosen (400 IE täglich) mit denen sich ein Anheben des 25OHD-Spiegels in schützende Bereiche kaum erzielen lässt.

    1. Zitat: „Wenn man die (relativ) Gesunden in die Vitamin-D-Gruppe packt und die (relativ) Kranken in die Kontrollgruppe, dann ist vorher klar, was herauskommt“
      Wikipedia sagt dazu: „Randomisierung (…) ist ein Verfahren, bei dem die Versuchspersonen (zum Beispiel teilnehmende Patienten) unter Verwendung eines Zufallsmechanismus unterschiedlichen Gruppen zugeordnet werden. “
      Von Packen steht da nix – aber bin kein Fachmann!
      Lässt sich also wohl bei so kleinen Gruppen nicht wirklich vermeiden. Könnte es vielleicht daran gelegen haben, das zu wenig Geld für die Studie genehmigt wurde???
      Bei Remdesivir gab es ja „Unmengen“ an Studien – aber war ja auch klar wer zahlt.

      1. Es stimmt, dass es im Rahmen der Randomisierung (Zufallsverteilung) von kleinen Gruppen rein zufällig dazu kommen kann, dass die Gruppen ungleich zusammengesetzt sind. Um das zu verhindern, kann man statistische Verfahren nutzen oder die Gruppengröße erhöhen. Wenn man das nicht macht, kann es eben (wie im vorliegenden Fall) sein, dass die Aussagekraft durch die zufällig Ungleichverteilung beeinträchtigt wird.

  5. Vielen Dank für den professionellen und soweit irgend möglich objektiven Artikel ohne irgend eine Werbung. Ich bin sehr froh, dass ich ihn in dem Wust von sehr vielen sonstigen, weniger evidenzbasierten und oft mehr oder weniger offensichtlich Werbezwecken dienenden Artikel entdeckt habe.
    Vitamin D ist mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln ein großes Geschäft für Pharmaindustrie, andere Anbieter, Autoren und Alternativheilkundler – es geht um sehr viel Geld. Bei allen politischen Entscheidungen spielen neben der Sachlage natürlich auch die Kosten, der Lobbyismus und die „Befindlichkeiten“ des Wahlvolkes eine Rolle.
    Überlegenswert wäre es, Kosten für bewiesener Maßen nicht über den Placeboeffekt hinaus wirksame Homöopathika stattdessen für eine „Grundversorgung“ der Bevölkerung mit Vitamin D zu verwenden.
    Wunder bei der Corona-Prophylaxe und damit die Lösung der Corona-Krise darf man sich, meiner Meinung nach, von Vitamin D nicht versprechen – auch Länder mit viel natürlicher UVB-Strahlung (Gebiete um den Äquator) wurden nicht von der Pandemie verschont.

    1. „großes Geschäft“ ist wohl leicht übertrieben. 5000 I/E Vitamin D3 pro Tag kosten 5 Cent Endverbraucherpreis. Das große Geld verdient die Pharma definitiv woanders… Mit dem Geld für eine Packung (10 Kps) weitgehend nutzloses Tamiflu, kann 3 bis 13 Jahre (!!!) Vitamin D3/K2 (1000 bis 5000 I/E / Tag) finanziert werden! Mit einem (oftmals sinnfreiem) PCR Test, das Ganze mal 3. Mit andern Worten: der Porsche und S-Klasse Anteil steigt bei den Labor-Inhabern und nicht bei den Vitamin D3 Hersteller und Vertreiber…

      1. Es stimmt zwar, dass NEM wie Vitamin D absolut gesehen relativ günstig sind, aber die Marge ist trotzdem enorm und teilweise höher als bei Arzneimitteln. Denn: Bei NEM haben Sie praktisch keine Entwicklungskosten, die Rohstoffe sind extrem günstig, Sie brauchen keine klinischen Studien zum Wirksamkeitsnachweis finanzieren und Sie brauchen keine kostspieligen Zulassungsanträge bei den Behörden stellen. Dazu kommt: Es gibt ja gar keine Schwarz-Weiß-Trennung in „böse Pharma“ und „gute NEM-Hersteller“, da es sich oft (über Konstrukte) um die identischen Firmen handelt.

  6. Fragen an Prof. Dr. Smollich:
    Bei Vitamin D Supplementen gibt es eine Anzahl von Präparaten mit zusätzlich Vitamin K.
    Ist dies eine sinnvolle Ergänzung, empfehlenswert oder kann es auch bei Vitamin K zur Überdosierung kommen?
    Wann ist eine Kombination von Vitamin D Einnahme mit Kalzium sinnvoll?
    Ich bin über 60 Jahre alt, m. und denke an die Prophylaxe einer Osteoporose…

  7. Wenn in Deutschland seit Jahren jeder Kinderarzt jedem Säugling bzw. jedem Kleinkind ohne Ausnahme über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren 400-500 IE Vitamin D3/Tag verschreiben muss, dann besteht die berechtigte Frage, warum ein erwachsener Mensch die offiziell empfohlene Menge von 800 IE Vitamin D3/Tag wegen eventueller Vergiftungen nicht überschreiten sollte?

    500 IE Vitamin D3/ Tag sind bei einem z.B. 5 kg schweren Baby umgerechnet 100 IE Vitamin D3/ kg. Ich wiege z.B. 90 kg, d.h. um auf die vergleichbare Babydosis zu kommen, müsste ich jeden Tag eine Tagesdosis von unglaublichen „9000“ IE Vitamin D3 nehmen, also ungefähr das 10fache der offiziell empfohlenen Tagesdosis von nur „800 IE“ Vitamin D3.

      1. Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
        Wenn die sicherlich unterschiedlichen Stoffwechselprozesse von Säuglingen und Erwachsenen einen körpergewichtsbezogenen Abweichungsfaktor von 10
        bezüglich der empfohlenen EFSA Tagesdosen rechtfertigen bzw. berücksichtigen, dann müssten die Messwerte für den 25-OH Vitamin D-Spiegel bei einer regelmäßige Gabe über einen Zeitraum von z.B. zwei Jahren und den empfohlenen Dosen von 400-500 IE Vitamin D3/ Tag für Säuglinge bzw. 800 IE Vitamin D3/ Tag für Erwachsene, zu grundsätzlich gleich hohen Vitamin D3 Spiegeln innerhalb der beiden Personengruppen führen, oder liege ich da falsch?

        1. Warum bekommen eigentlich alle Säuglinge in Deutschland eine zusätzliche Gabe von 400-500 IE Vitamin D3/ Tag von den Kinderärzten verschrieben?
          Unsere Vorfahren haben im Säuglingsalter auch kein zusätzliches Vitamin D3 bekommen und trotzdem gab es keine vermehrten Fälle von Rachitis? Sollte nicht jede Mutter grundsätzlich in der Lage sein, ihr Kind bereits während der Schwangerschaft und nach der Geburt über die Muttermilch mit ausreichend Vitamin D3 versorgen zu können, wenn ihr eigener Vitamin D3 Spiegel hoch genug wäre? Wäre es also möglich, dass eventuell die Mütter in hiesigen Breitengraden heutzutage einen geringeren Vitamin D3-Spiegel haben als die Mütter unserer Vorfahren?

  8. Danke für die unvoreingenommene und gründliche Darstellung der Faktenlage!

    Der Nutzen von Vitamin D in Hochdosierung bedarf gewiss einer gründlichen Untersuchung, bevor eine solche Therapie empfohlen werden kann. Das Auffüllen der Defizite jedoch scheint nicht nur vor dem Hintergrund der Covid 19 Situation eine sinnvolle Präventionsmaßnahme zu sein.

    Aus allem, was Sie hier schreiben, leite ich eine klare politische Forderung ab: ein von den Krankenkassen finanzierter, jährlicher Test des Vitamin D-Status, zumindest für alle ab 65 Jahren, im Rahmen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes. Ich denke, es würde sich auch rechnen. Und es wäre ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg von der Krankheitsverwaltung zum Gesundheitswesen.

  9. In der Pandemie müsste sofort aufgrund der für „Infekte und schweren Vitamin D Mangel“ klaren Datenlage und dem bekannten (!) Vitamin D Mangel der Älteren im deutschen Winter (und darüberhinaus im Lockdown-Winter 2021 auch immer Jüngere) Vitamin D z.B. gewichtsadaptiert empfohlen werden. Sicherer Rahmen hierfür 1000-4000 IE täglich JE NACH Körpergewicht, z.B. 30-50 IE/kg KG.

  10. Guten Tag Herr Smollich,
    ich kann ehrlich gesagt den edukativen Wert Ihres Beitrags nicht erkennen. Vor allem bewegt er sich fernab des echten Lebens. Da ich tgl. zahlreiche Patienten dazu motiviere, auf eigene Kosten den 25 OH Wert messen zu lassen, kann ich hier beitragen, dass JEDER, der nicht bereits supplementiert, im Mangel ist d.h. unter 30 ng/ ml. Fast JEDEN Tag habe ich einen Wert unter 10, teils junge Leute mit 4 ng/ ml. Ganz abgesehen davon, dass ich Ihnen deshalb die These von der umgekehrten Kausalität nicht abnehme, fügen Sie m.E. dem Ziel einer Verbesserung der Volksgesundheit mit Ihrer Argumentationslinie, die ich für fehlgeleitet halte, schweren Schaden zu. Halten Sie die von Ihnen zitierte Studie von 2013, auf deren Grundlage Sie 25 OH Vitamin D zu einem negativen Akute Phase Produkt machen wollen, bei einem Abfall des Wertes um 3 ng/ ml ehrlich für für erklärend? Mir kommt das doch sehr dünn vor und die Argumentation deshalb ausgesprochen konstruiert.
    Die Gefahren liegen am unteren Ende der Vitamin D Skala und nicht am oberen, wenn man es nicht eben übertreibt und Werte über 150 ng/ ml anstrebt.
    Die Córdoba Studie war eine Pilotstudie, und für mich bleibt die Aussage trotz der asymmetrischen Randomisierung bestehen. Ich wette, dass es bei größeren Fallzahlen bei dem Ergebnis bleiben wird.
    Natürlich habe ich verstanden, dass es Ihnen um wissenschaftliche Fakten zu tun ist. Aber wozu bitte nützt es, hier die Botschaft zu verbreiten, dass Werte über 50 ng/ ml nicht angestrebt werden sollen, wenn das tatsächlich dazu führt, dass die ganzen Menschen, die mit 4 ng/ ml herum laufen, durch die resultierende Verunsicherung von der notwendigen Supplementierung abgehalten werden?

  11. Ich habe rheumatische Arthritis und Diabetes Typ2. Bei meinem Krankenhausaufenthalt wurde bei mir ein Vitamin-D-Mangel festgestellt, und seitdem muss ich jede Woche einmal 20.000 Einheiten nehmen. Mir geht es seitdem auch viel besser als vorher. Auch muss ich sagen, dass ich seit vier Jahren keine Erkältung mehr hatte. Weshalb die Pharmaindustrie und die Ärzte kein Interesse haben Vitamin D zu supplementieren ergibt sich allein daraus, dass eine Jahreszugabe von Vitamin D kaum mehr als 20 € kostet. Und das will die Pharmaindustrie nicht. Gibt es ja nichts zu verdienen.

    1. Es ist sehr gut, wenn Sie bei einem Mangel Vitamin D supplementieren und so in einen guten Bereich kommen.
      Bzgl. des Hinweises auf die Pharmaindustrie: Es stimmt, die Pharmaindustrie will Geld verdienen. Aber haben Sie schon einmal daran gedacht, dass Vitamin D genauso ein Geschäftsmodell ist? Die Hersteller von Vitamin-D-Präparaten haben großes Interesse daran, dass verbreitet wird, alle müssten am besten ganzjährig supplementieren. Viele der Vitamin-D-Anhänger auf Youtube usw. profitieren ebenfalls direkt oder indirekt vom Vitamin-D-Hype. Das ist auch ok, jeder kann Geld verdienen. Man sollte aber nicht so tun, als würde die „böse Pharmaindustrie“ Geld verdienen, während die „gute Vitamin-D-Industrie“ das nur aus Nächstenliebe betreibt.

      1. Wenn ich z.B. Vorstandsvorsitzender eines großen milliardenschweren Pharmakonzerns wäre und registrieren würde, dass mein Unternehmen eventuell weniger Medikamente gegen „rheumatische Arthritis“ oder „Diabetes Typ2“ aufgrund irgendwelcher Vitamin D-Anhänger verkauft, dann hätte ich schon ein berechtigtes Problem damit. Ich denke, dass ist auch absolut menschlich, man hat ja auch eine unternehmerische Verantwortung. Unter Umständen würde ich sogar kostspielige und aufwändige Studien unterstützen, um die Nichtwirkung von Vitamin-D Spiegel ≥ 30 ng/ml in einer randomisiert kontrollierten Studie nachzuweisen und die Ergebnisse dann möglichst publikumswirksam veröffentlichen, weil ich ja weiß bzw. ahne, dass Vitamin D-Spiegel ≥ 30 ng/ ml kaum Vorteile bringen. Auf eine randomisierte kontrollierte Studie, basierend auf einen Vitamin D Spiegel ≥ 20 ng/ml, würde ich mich als Unternehmen nicht einlassen wollen. Als bösen Pharmaindustriellen würde ich mich auch nicht sehen und rein juristisch gesehen wäre ich definitiv auf der sicheren Seite. Schließlich wäre jeder Leser meiner Vitamin-D Studie selber dafür verantwortlich, wie er die Studienausgangssituation interpretiert.

  12. Zitat: „Zur Prävention von grippalen Infekten, von viralen Atemwegserkrankungen und auch von Influenza ist eine Vitamin-D-Supplementation nur dann wirksam, wenn vorher ein Vitamin-D-Mangel bestand (2-OH-D3-Konzentration im Blutserum < 30 nmol/l; entspr. < 12 ng/ml)"
    Darunter findet sich eine Grafik aus der klar hervorgeht das in Deutschland im Winter (Dez – Feb.) abgelesen/geschätzt ca. 50 % einen Wert unter 30 nmol/L haben – oder wie soll ich diese Grafik sonst verstehen. Der Verlauf in der Grafik würde auch den Verlauf der Coronainfektionen im jahreszeitlichen Mittel gut erklären.
    Merkwürdigerweise wird diese Abb. 1 im Text nicht kommentiert – oder habe ich da was übersehen?
    Das Fazit aus den beiden Zusammenhängen wäre eine dringende Empfehlung an die deutsche Bevölkerung ihren Vitamin-D Spiegel zu überprüfen und ggf. anzupassen. Und dass ohne klinischen Beweis. Irgendwie haben sie in Ihrem Artikel gerade bewiesen das eine Vitamin-D-Substitution bei 50 Prozent der Bevölkerung angebracht wäre – was sind die Konsequenzen?

    1. Zwei Punkte: Sie haben Recht, dass die Grafik zeigt, dass in den Wintermonaten in Deutschland ein Großteil der Menschen unzureichend mit Vitamin D versorgt ist. Deshalb spricht ja auch überhaupt nichts dagegen, dass all diese Menschen mit Vitamin-D-Unterversorgung Vitamin D supplementieren. Um das zu „beweisen“ braucht es aber natürlich nicht meinen Artikel, sondern das ist ja allgemein bekannt (und belegt).
      Andererseits beweist die Grafik natürlich nicht, dass die saisonale Häufung von Corona-Infektionen eine Folge des Vitamin-D-Mangels ist. Es ist einfach eine Korrelation, und vermutlich trägt der schlechte Vitamin-D-Status dazu bei, aber beweisen (Kausalität) tut so eine Beobachtung dennoch nichts. Die gleiche Korrelation hätten Sie, wenn Sie in die Grafik auftragen würden, wie häufig Winterreifen genutzt werden. Nur weil zwei Dinge gleichzeitig auftreten, liegt ja keine Kausalität vor. Weitere Erklärungen dafür, weshalb es im Winter zur Häufung grippaler Infekte kommt könnten (neben dem schlechten Vitamin-D-Status) beispielsweise auch sein: kalte Temperatur (dadurch geringe Durchblutung der Schleimhäute), überheizte Räume (dadurch Austrocknung der Schleimhäute) oder die Tatsache, dass sich im Winter mehr Menschen eng in geschlossenen Räumen aufhalten als im Sommer (dadurch höhere Ansteckungsrate).

      1. Zitat: „kalte Temperatur (dadurch geringe Durchblutung der Schleimhäute), überheizte Räume (dadurch Austrocknung der Schleimhäute) oder die Tatsache, dass sich im Winter mehr Menschen eng in geschlossenen Räumen aufhalten als im Sommer (dadurch höhere Ansteckungsrate).“ Das ist sicherlich richtig, zudem stellt sich dann allerdings die wichtige Frage, warum die Infektionssterblichkeit (nicht die Fallsterblichkeit) bei Covid 19 z.B. im November nicht so hoch war wie jetzt im Februar, obwohl temperaturmäßig, raumklimatechnisch und kulturell nahezu die gleichen Bedingungen herrschen? Der bis März/ April weiter fallende Vitamin-D Spiegel innerhalb der Bevölkerung könnte dann dem fallenden Vitamin-D Verlauf der Bevölkerung entsprechend zu einem weiteren Anstieg der Infektionssterblichkeit führen. Der Anstieg der registrierten Corona-Infektionen im November fällt kurventechnisch mit einem durchschnittlichen Vitamin-D Spiegel von etwas über 20 ng/ ml zusammen. Influenzaerkrankungen treten vermehrt bei Vit-D < 15-17 ng/ ml auf. Diesen Level erreicht die Bevölkerung im Durchschnitt im Dezember, Januar. Das ist auch der Zeitpunkt, ab der Influenzaerkrankungen saisonal vermehrt auftreten. Sollten sich die noch nicht geklärten Vermutungen bestätigen, dass ein durchschnittlicher Vitamin-D Wert von etwas über 20 ng/ ml also eine Art Umkehrpunkt darstellt, dann könnte ziemlich präzise vorhergesagt werden, ab welchem Monat sonnenbedingt die registrierten Corona-Infektionen bei gleichbleibenden Coronamaßnahmen abnehmen dürften.

  13. Bezug auf meinen vorherigen noch nicht genehmigten Kommentar. „Der Anstieg der registrierten Corona-Infektionen im November fällt kurventechnisch mit einem durchschnittlichen Vitamin-D Spiegel von etwas über 20 ng/ ml zusammen.“ Statt „November“ habe ich „Anfang Oktober“ gemeint.

  14. Sie haben so schön beschrieben aus welchen Gründen die Studien fehlerhaft und deshalb als Beweisführung ungeeignet sind. Ihre eigenen Schlussfolgerungen daraus führen damit ad absurdum. Wie können die Ergebnisse der selben methodisch unzureichenden Untersuchungen am Ende dazu führen, dass Sie daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass Vitamin D sowieso nichts bringt. Damit gehören Sie doch auch in die Gruppe von Bloggern und Influencern, die eigene persönliche Meinungen verbreiten. Wo sind denn Ihre verlässlichen und methodisch einwandfreien Studien, die Ihre wahllose Behauptung untermauern?
    Wenn es kein Medikament gibt, das gegen Corona hilft, dann bleibt am Ende für einzelne Betroffene nur ein gut funktionierendes Immunsystem um mit dem Virus fertig zu werden. Also kann doch überhaupt nichts dagegen sprechen, auf seinen Vitamin D Status zu achten. Alle Experten, die sich pro Vitamin D äußern betonen ausdrücklich, dass der Status bei einer Supplementierung unbedingt erhoben werden muss. Die wahnwitzige Angstmacherei vor Vergiftungen mit Vitamin D sind an den Haaren herbeigezogen. Korrigieren Sie diese Aussage bitte, wenn es hierzu ordnungsgemäß durchgeführte Studien gibt, ich habe keine gefunden.
    „Ernaehrungsmedizin.blog liefert wissenschaftlich fundierte Informationen…“, die Sie zum Thema vielleicht nachliefern sollten.

    1. Lieber Herr Müller, es ist doch ganz einfach: Da die genannten Studien wie erläutert eben aus methodischen Gründen nicht aussagekräftig sind, sind sie nicht als Beweis dafür geeignet, dass die Vitamin-D-Supplementation wirksam wäre. Meine Schlussfolgerung (wenn Sie genau lesen) ist deshalb, dass wir es nicht wissen. Und als Wissenschaftler ist ganz klar: Wenn es für eine Intervention keinen Wirksamkeitsnachweis gibt, dann sollte man es nicht machen. Angesichts der Tatsache, dass wir kein wirksames Medikament haben, schreibe und zeige ich ja auch, dass es insgesamt wichtig ist, keinen Vitamin-D-Mangel zu haben – deshalb auch die Grafik dazu. Man kann durchaus vermuten, dass ein hochnormaler Vitamin-D-Spiegel sich günstig auf die Prognose von COVID-19 auswirkt, aber mit den aktuellen Studien ist das eben nicht mehr als das – eine Vermutung. Die Warnung vor Vitamin-D-Überdosierung ist übrigens (leider) NICHT „an den Haaren herbeigezogen“: Sowohl in der Literatur als auch in meiner eigenen Erfahrung gab es Patienten, die durch Vitamin-D-Überdosierungen derartig schwere Nierenschäden erlitten haben, dass sie dialysepflichtig wurden (https://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/DSM/Archiv/2017-42.html).

      1. Auf diese beiden Fällen wird sehr oft verwiesen. Wie hoch ist denn jeweils der Vitamin-D Spiegel bei Patient A und Patient B gewesen? Gibt es einen „absolut eindeutigen“ Beweis, dass die 10.000 IE bzw. die 20.000 IE Vitamin-D Nahrungsergänzung/ Tag für die Hyperkalzämie verantwortlich gewesen ist? Es muss doch irgendwann eine randomisiert kontrollierte Studien oder Ähnliches gegeben haben, in der die potentielle Vergiftungsgefahr durch Vitamin-D eindeutig nachgewiesen wurde. Nur zwei dokumentierte Fälle dürften doch nicht ausreichen, um daraus seriöse Dosis-Empfehlungen abzuleiten. Wie viele Vitamin-D-Vergiftungsfälle gibt es denn jährlich in Deutschland, gibt es dazu einen Bericht oder Vergleichbares?

        1. Die meisten Coronamaßnahmen basieren auf Vermutungen, ohne das es einen entsprechenden Wirksamkeitsnachweis gibt. Trotzdem werden hierzulande Coronamaßnahmen aufgrund dieser sicherlich gerechtfertigten Vermutungen beschlossen, ohne dass vorher der perfekte Beweis dazu gebracht wurde. Das ist auch absolut verständlich, die Regierung darf eben keine Zeit verlieren.

          Was mich aktuell sehr irritiert ist, dass zurzeit sehr viele Medien die RKI und DGE-Vermutung, dass ein guter Vitamin-D-Spiegel sich günstig auf die Prognose von COVID-19 auswirken könnte, inklusive der DGE-Empfehlung, wie man diesen erreichen könnte, „komplett ignorieren“ oder verfälscht wiedergeben, aber den rechtlich abgesicherten DGE-Satz „keine pauschale Empfehlung für eine Vitamin-D-Supplementation möglich“ so auslegen, als wäre von den DGE-Experten eindeutig nachgewiesen worden, das Vitamin-D keinen Einfluss auf die Pandemie hat und die Gabe von Vitamin-D überflüssig und gefährlich ist. Für die meisten Leser, die diese Zeitungsartikel konsumieren, dürfte damit das Thema Vitamin-D und
          Corona beendet sein. Diese aktuell ablehnenden und berechnenden Artikel in den Medien halte ich für sehr gefährlich und die verfälschten Schlussfolgerungen entsprechen keineswegs dem, was die DGE und das RKI mit ihren Meldungen eigentlich mitteilen wollten, nämlich dass auf einen Vitamin-D Spiegel > 20 ng/ ml geachtet werden sollte.

          1. Das ist ein wichtiger und richtiger Punkt. Tatsächlich äußern sich ja weder DGE noch RKI (noch ich selbst hier auf den Blog-Seiten) grundsätzlich gegen eine Vitamin-D-Supplementierung. Ganz im Gegenteil: Es ist völlig unstrittig, dass der Vitamin-D-Spiegel auf jeden Fall mindestens 20 ng/ml betragen soll – und wenn man dazu Supplemente braucht, dann ist das absolut sinnvoll. Genau das ist ja auch die Aussage der Graphik im Blog-Beitrag: Vitamin D sollte mind. bei 20 ng/ml liegen, besser ist vermutlich der Zielbereich zwischen 30 – 50 ng/ml (grüner Bereich in der Graphik).

  15. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob mein Kommentar der „Zensur“, sprich Moderation zu Opfer fällt. 🙂
    In unserer Familie waren wir zu viert an Covid 19 erkrankt, hatten alle sehr leichte Verläufe bei einem Vitamin-D Spiegel der bei uns allen zwischen 80 und 90 ng/ ml lag und das beim Vorliegen von reichlich erheblichen Risikofaktoren.

    1. Es freut mich für Sie, dass Sie leichte COVID-19-Verläufe hatten, aber dass das am Vitamin D lag, ist damit natürlich nicht bewiesen. Sie wissen ja nicht, wie Ihre Verläufe gewesen wären, wenn Ihr Vitamin D nicht bei 80-90 ng/ml gelegen hätte, sondern bei 50 ng/ml. Eben dafür gibt es wissenschaftliche Studien mit Kontrollgruppen. Die Aussagekraft so einer Anekdote ist praktisch nicht vorhanden, tut mir leid. Mein Opa hat auch sein Leben lang täglich Zigarren geraucht und ist bei bester Gesundheit 100 Jahre alt geworden – daraus kann man auch nicht ableiten, dass Rauchen gesund wäre.

  16. zahllose E-Mails an Ärzte und Politik verschickt, alle Antworten der Technokraten haben einen ähnlichen Tenor: man wagt nicht auszusprechen, das im Pandemie Winter 2021 dringend und sofort Vitamin D empfohlen werden muss. Einem guten Immunsystem, angeführt von Vitamin D ist egal, welche Virus Mutation es bekämpft! in der Lockdown Dauerschleife riskieren wir nicht mehr zu heilende Schäden psychischer und finanzieller Art für nachfolgende Generationen und ungerechte Berufsverbote ganzer WirtschaftsZweige!

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