Kieselerde für Haut und Haare

Kieselerde ist ein häufig beworbenes Supplement für Haut, Haare und Nägel. So soll Kieselerde den Nägeln und Haaren Festigkeit geben, Alterungserscheinungen vorbeugen, die Elastizität des Bindegewebes erhöhen und die Knochen stärken. Doch wie realistisch sind diese Versprechen wirklich? Von Tessa Müller.

Kieselerde ist nicht gleich Kieselerde

Obwohl es häufig durcheinander geht, muss man Kieselerde von Kieselgur abgrenzen: Während Kieselgur aus den Schalen fossiler Algen gewonnen wird, ist Kieselerde ein feinkörniges Sediment. Hauptbestandteil von Kieselerde wiederum ist eine chemische Verbindung von Silizium und Sauerstoff, die sog. Kieselsäure (SiO2). Dieses Silizium soll für die gesundheitlichen Effekte der Kieselerde verantwortlich sein.

Fakt ist allerdings, dass der menschliche Körper die wasserunlösliche Form der Kieselsäure, wie sie in der Kieselerde enthalten ist, überhaupt nicht aufnehmen kann. Deshalb wird mitunter sog. „organisches Silizium“ angeboten. Dessen Sicherheitsbeurteilung ist bisher aber noch unklar.

Braucht der Körper Silizium?

Silizium kommt in größeren Mengen im Körper vor, insbesondere in der Haut, den Haaren und den Nägeln. Häufig kursiert im Internet die Auffassung, dass bei vielen Menschen ein Silizium-Mangel bestünde, der durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden kann. So wird laut Herstellerempfehlungen entsprechender Präparate zu einer Nahrungsergänzung mit meist 10 – 40 mg Silizium pro Tag geraten.

Silizium stellt im Bindegewebe die Quervernetzung mit Kollagen her und trägt zu dessen Stabilität bei. Daneben besitzt Silizium eine Funktion bei der Entwicklung von Knochen und Knorpeln. Andererseits sind beim Menschen aber keine Formen von Silizium-Mangelzuständen bekannt (EFSA 2011; Martin 2013). Da man nicht weiß, ob und wie viel Silizium der gesunde Körper braucht, gibt es keine Zufuhrempfehlungen oder Referenzwerte.

Abgesehen davon ist Silizium ohnehin in der üblichen Nahrung und im Trinkwasser enthalten. Die durchschnittliche Aufnahme liegt bei ca. 10 – 50 mg pro Tag (Martin 2013).

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet die Marketingaussagen zur gesundheitlichen Wirkung von Kieselsäure aufgrund der wissenschaftlichen Datenlage als „nicht hinreichend gesichert“ (EFSA 2009). Deshalb dürfen Hersteller die Kieselsäure-Produkte nicht mit gesundheitsbezogenen Angaben bewerben. Umgangen werden kann dies, indem die Produkte als traditionell angewendete Arzneimittel verkauft werden. In diesem Fall sind keinerlei wissenschaftliche Nachweise zur Wirkung erforderlich.

In Deutschland sind mehrere Silizium-Verbindungen zugelassen:

  • Cholin-stabilisierte Orthokieselsäure („ch-OSA“)
  • Siliziumdioxid
  • Kieselsäure (in Gelform als Silicagel bezeichnet)
  • organisches Silizium (Monomethylsilantriol)

Sicherheit von Kieselerde-Präparaten nicht abschließend geklärt

Die europäische Lebensmittelbehörde und das Institute of Medicine (IOM) beurteilen die toxikologische Datenlage zu Silizium als nicht aussagekräftig genug, um überhaupt sichere Grenzwerte ableiten zu können. Viele Hersteller werben dennoch damit, dass ihre Produkte absolut unbedenklich und nebenwirkungsfrei seien.

In einigen Bundesländern wurden darüber hinaus bei Untersuchungen der Lebensmittelüberwachung immer wieder Kontaminationen mit Blei in Kieselerde-Produkten nachgewiesen (LGL 2010; CVUA 2013). Die Höchstwerte der noch tolerierbaren Bleikontaminationen wurden dabei in einigen Produkten überschritten. Doch selbst unterhalb der Höchstwerte können Gesundheitsschäden für den Menschen nicht ausgeschlossen werden (Verordnung (EU) 2015/1005).

Studien in Anzahl und Qualität noch verbesserungswürdig

Einzelne Studie geben Hinweise auf eine möglicherweise positive Wirkung von Silizium auf Haut, Haare und Nägel, doch wurden diese Studien meist von den jeweiligen Herstellern selbst gesponsert. Was wurde dabei untersucht?

  • In einer Hersteller-gesponsorten Studie wurde die Wirkung einer neun-monatigen Supplementation mit Cholin-stabilisierter Orthokieselsäure auf die Haarstärke- und Elastizität bei 48 Frauen mit dünnem Haar untersucht (Wickett et al., 2007). Im Vergleich zur Placebogruppe verbesserte sich die Bruchlast der Haare. Auch der Haardurchmesser war in der Interventionsgruppe größer als in der Placebogruppe. Dies deutet auf einen Einfluss von Silizium auf die Keratin-Fasern oder die Haarfollikel hin. In Laborexperimenten konnte der Einfluss von Orthokieselsäure auf eine erhöhte Kollagen 1 Produktion in Haut-Fibroblasten bereits nachgewiesen werden. Dies könnte sich positiv auf den Haarfollikel und damit auf die Keratin-Formation auswirken. Auch die Zunahme des Haardurchmessers und der Haardicke könnte dadurch erklärt werden.
  • In einer weiteren Studie (Gehring 2010) wurde die Wirkung einer täglichen Einnahme von 1.050 Milligramm Kieselerde über drei Monate auf die Haargesundheit untersucht. Hier führte die Supplementation bei den 83 männlichen und weiblichen Probanden zu einer Zunahme der Haardicke und zu einer verbesserten Beurteilung der Haarqualität, die die Probanden allerdings selbst vornahmen. Diese Studie wurde von der Herstellerfirma gesponsert.
  • In der randomisierten, doppelt-verblindeten Studie von Barel et al. (2005) wurden die Effekte einer 20-wöchigen Supplementation mit 10 mg Cholin-stabilisierter Orthokieselsäure auf die Haut, Haare und Nägel gemessen. Eingeschlossen wurden 50 Probanden im Alter von 40 – 65 Jahren mit klinischen Anzeichen von Hautalterung im Gesicht. Im Vergleich zur Placebogruppe verbesserte sich in der Interventionsgruppe die Brüchigkeit der Nägel und Haare zwar, diese wurde jedoch nach dem subjektiven Empfinden der Probanden bewertet.
  • In einer weiteren randomisiert-kontrollierten Studie wurde an je 22 Männern und Frauen im Alter von 40 – 60 Jahren untersucht, wie sich die 90-tägige Einnahme von Cholin-stabilisierter Orthokieselsäure auf Gesichtsfalten oder Hautunreinheiten auswirkt (Petersen Vitello Kalil et al. 2018). In der objektiven visuellen Auswertung der Vorher-Nachher-Bilder von den Gesichtern der Probanden fand sich kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Fazit: Nutzen fraglich, Risiko unklar

Obwohl einige wenige Studien Hinweise auf Kieselsäure-Effekte liefern, ist die methodische Qualität dieser Studien sehr gering. So wurde der Großteil der Studien von den Herstellerfirmen gesponsert, und die Teilnehmer-Anzahl war niedrig. Möglicherweise können künftige Studien zeigen, dass die Anwendung bestimmter Kieselsäure- oder Silizium-Präparate sinnvoll sein kann. Bisher gibt es dafür keine stichhaltigen Hinweise.

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