Mikronährstoff-Mangel durch Medikamente

Ob Hyperkaliämie oder Hyponatriämie: Störungen der Mikronährstoffe sind häufige Nebenwirkungen von Medikamenten und können schnell sehr gefährlich werden. Vor der symptomatischen Therapie mit Supplementen sollte geprüft werden, ob Medikamente tatsächlich die Ursache sind. Was bedeutet das für die optimale Ernährungstherapie?

Medikamente: häufig Effekte auf Mikronährstoffe

Zu den meistdiskutierten Themen hinsichtlich der Wechselwirkungen zwischen Ernährungs- und Arzneimitteltherapie gehören die Effekte von Medikamenten auf den Mikronährstoff-Stoffwechsel. Gerade die bei chronischen Erkrankungen häufig eingesetzten Wirkstoffgruppen wie Diuretika, Protonenpumpenhemmer oder Antidiabetika können gravierende Effekte auf die Blutspiegel von Kalium, Natrium, Calcium und anderen Mikronährstoffen haben. Diese Effekte werden häufig übersehen oder in ihrer Kausalität nicht erkannt.

In der Ernährungstherapie essenziell: Zusammenhänge identifizieren

Im Rahmen einer guten Ernährungsberatung, bei der auch der Blick in die Medikationsliste und die Laborergebnisse des Patienten nicht fehlt, kann das Wissen um die Mikronährstoff-Effekte von Arzneimitteln in zweierlei Weise hilfreich integriert werden: Liegen für einzelne Mikronährstoffe erhöhte oder erniedrige Blutkonzentrationen vor, kann die Medikationsliste auf mögliche Auslöser geprüft und ggf. die ärztliche Rücksprache gesucht werden; unter Umständen ist es möglich, statt einer Mikronährstoff-Supplementation einen alternativen Wirkstoff auszuwählen. Andererseits kann ein Blick in die Medikationsliste dazu dienen, um bei dem individuellen Patienten auf Arzneimittel-typische Mangelsymptome zu achten, also beispielsweise auf die Symptome eines Vitamin B12-Mangels bei Patienten mit Protonenpumpenhemmern oder auf die Symptome eines Magnesium-Mangels bei Metformin-Einnahme. Zudem können bei Kenntnis dieser Zusammenhänge auch schon vorab Wirkstoff-spezifische Risiken für Mikronährstoff-Effekte identifziert und durch gezielte Ernährungsempfehlungen antizipiert werden. Dadurch wird die Rate von Nebenwirkungen reduziert, die Therapieadhärenz der Patienten verbessert und ein optimales Therapieergebnis erzielt.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Mikronährstoff-Effekte häufig verwendeter Arzneimittelgruppen finden Sie hier; die Übersichtstabellen ernährungstherapeutisch relevanter Arzneimittelwirkungen finden Sie hier.

Unsinn: Medikationsspezifische Supplementation

Trotz dieser wichtigen Zusammenhänge ist es jedoch Unsinn, je nach eingenommenen Medikamenten direkt und ohne Diagnostik bestimmte Mikronährstoffe zu supplementieren. Dies wird gelegentlich vorgeschlagen. Dabei wird außer acht gelassen, dass selbst die häufigen Mikronährstoff-Effekte bestimmter Arzneimittel beileibe nicht bei jedem Patienten auftreten – sie sind von sehr viele Cofaktoren wie Ernährung, Grunderkrankungen oder Begleitmedikation abhängig. Außerdem ist es manchmal ebenfalls möglich, die Medikation gezielt umzustellen, sodass sich das Mikronährstoff-Problem von selbst löst. Von einer pauschalen Empfehlung wie „Alle Metformin-Patienten brauchen B12-Supplemente“ sollte also dringend abgesehen werden. Richtig wäre es umgekehrt, die Metformin-Medikation beispielsweise als Anlass für Vitamin B12-Diagnostik zu nehmen bzw. zu prüfen, ob weitere (nutritive) Risikofaktoren für einen Vitamin B12-Mangel vorliegen. Supplemente mit der Gießkanne sind eine Lösung, die zwar einfach, aber falsch ist.

Die Präsentation zum Seminar „Mikronährstoffe und Arzneimittel“ im Rahmen des 25. VFED-Kongresses finden Sie hier.

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