Multiresistente Bakterien auf Fertigsalaten

Fertig geschnittene und verzehrfertige Salate sind im Trend – überall dort, wo Fast Food gesund sein soll. Stichproben haben immer wieder gezeigt, dass diese Fertigsalate häufig mit Bakterien verunreinigt sind. Eine aktuelle Untersuchung aus deutschen Supermärkten zeigt jetzt: Ein Großteil der Bakterien auf den Fertigprodukten ist resistent gegen wichtige Antibiotika. Nach dem Verzehr können diese Resistenzen auf menschliche Darmbakterien übertragen werden – mit gravierenden gesundheitlichen Folgen.

Vielfalt an multiresistenten Bakterien

Die aktuell publizierte Studie aus der Arbeitsgruppe von Kornelia Smalla vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig ist in der Fachzeitschrift mBio erschienen (hier). Untersuchungsmaterial waren 24 Stichproben von Mix-Salaten, Rucola und frischem Koriander aus deutschen Supermärkten. Anschließend wurde untersucht, welche Antibiotika-Resistenzen die auf den Lebensmitteln enthaltenen Bakterien trugen. Die resistenten Bakterien stammen aus der Tiermast und gelangen über die Gülle-Düngung der Gemüsefelder auf die Salate und damit in die menschlichen Nahrungskette.

Auf den 24 Stichproben fanden die Wissenschaftler 63 verschiedene, Antibiotika-resistente Stämme des Fäkalbakteriums E. coli. Zwei der isolierten Stämme waren gegen acht verschiedene Antibiotikaklassen resistent – und zwar gegen Wirkstoffe, die auch in der Humanmedizin sehr häufig eingesetzt werden (Penicilline, Drittgenerations-Cephalosporine, Fluorchinolone und Aminoglykoside). Insbesondere die Aminoglykoside gehören in Krankenhäusern zu den Reserveantibiotika, die erst bei Unwirksamkeit anderer Substanzen eingesetzt werden. 84 % aller gefundenen Bakterien waren resistent gegenüber Amoxicillin und 73 % gegenüber Trimethoprim. Diese beiden Antibiotika sind in der Humanmedizin im ambulanten Bereich extrem weit verbreitet (z. B. zur Therapie von kindlichen Infektionen oder von Blasenentzündungen).

Zwei Bakterienstämme von frischem Koriander trugen sogar sogenannte ESBL-Gene (extended spectrum of betalactamases). Diese Art von Resistenz-Genen führt dazu, dass selbst hochwirksame Antibiotika inaktiviert werden.

Warum sind diese Bakterien so gefährlich?

Die Resistenz-Gene, die Antibiotika unwirksam machen, befinden sich oft nicht im Zellkern der Bakterien, sondern auf sogenannten Plasmiden. Das sind kleine, ringförmige Strukturen, die zwischen verschiedenen Bakterien ausgetauscht werden. Und genau das passiert, wenn wir mit resistenten Bakterien verunreinigte Lebensmittel essen: Im menschlichen Darm können die Resistenz-Gene auf unsere Darmbakterien übertragen werden. Üblicherweise merkt man davon kurzfristig nichts, nur gelegentlich kommt es zu einem akuten Magen-Darm-Infekt. Das größere Risiko ergibt sich langfristig: Da so multiresistente Bakterien in den Darm gelangen, sprechen sie bei späteren Erkrankungen nicht auf Antibiotika an. Und im Krankenhaus können sich die über Patienten eingeschleppten Bakterien schnell ausbreiten und lebensgefährlich werden.

Besonders gefährdet für Bakterien aus Lebensmitteln ist die Gruppe der sog. YOPI: young (kleine Kinder), old (Senioren), pregnant (Schwangere) und immunocompromised (Menschen mit geschwächtem Immunsystem).  Diese Menschen sollten entsprechende Convenience-Salate möglichst meiden. Grundsätzlich kann die Aufnahme Antibiotika-resistenter Bakterien reduziert werden, indem man Rohkost vor dem Verzehr gründlich mit sauberem Trinkwasser wäscht. Die hygienische Zubereitung direkt vor dem Verzehr ist dabei unbedenklicher als die Verwendung vorgeschnittener und verpackter Salate.

Hier liegt die Ursache der multiresistenten Bakterien auf dem Salat: breiter Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tiermast.

Ursachenbekämpfung in der Tiermast, nicht in der Küche

Doch aus ernährungstoxikologischer Perspektive sind diese küchenhygienischen Vorsichtsmaßnahmen nur vordergründige end-of-the-pipe-Ansätze, die an der eigentlichen Ursache vorbeigehen. Denn wenn es hinsichtlich der Ausbreitung Antibiotika-resistenter Bakterien in Lebensmitteln um die Ursachenbekämpfung geht, hieße das etwas ganz Anderes. Und zwar müssten dazu die Haltungsbedingungen in der Tiermast so verändert werden, dass der praktisch flächendeckende Einsatz von Antibiotika überflüssig wird.

Mikrobiologisch gesehen ist es eine logische Konsequenz: Breiter Antibiotika-Einsatz führt zu breiten Antibiotika-Resistenzen. Und so lange in Deutschland ca. 80 % aller Antibiotika in der Tiermast eingesetzt werden, wird sich an den Gesundheitsrisiken durch Fertigsalate wenig ändern. Es gibt nämlich keine „Tiergesundheit“ und keine „Menschengesundheit“ – die Wirklichkeit heißt One Health. Mit multiresistenten Bakterien im Fertigsalat schließt sich nur der Kreis.

Fotos: www.pexels.com

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