Verschiedene Tabletten und Kapseln auf hellem Hintergrund als Symbol für Wechselwirkungen zwischen Supplementen und Medikamenten.

Supplemente und Medikamente: Vorsicht bei diesen Kombinationen

Auf einen Blick:

Supplemente und Medikamente können sich gegenseitig beeinflussen. Manche Nahrungsergänzungsmittel können Medikamente abschwächen, ihre Aufnahme im Körper stören oder Nebenwirkungen verstärken. Besonders wichtig ist das bei Osteoporose-Medikamenten, Krebsbehandlungen, Parkinson-Medikamenten und Blutverdünnern. Es kommt außerdem nicht nur darauf an, was eingenommen wird, sondern auch auf die Dosierung, den richtigen Zeitpunkt und darauf, ob ein Supplement überhaupt nötig ist.

Von Martina Kalischuk

Viele nehmen Nahrungsergänzungsmittel ganz selbstverständlich zusätzlich ein: ein bisschen Vitamin D, Magnesium, Omega-3 oder ein Multivitaminpräparat. Was dabei oft vergessen wird: Auch frei verkäufliche Supplemente können im Körper mit Medikamenten wechselwirken. Dann kann es passieren, dass ein Arzneimittel schlechter wirkt, zu stark wirkt oder schlechter aufgenommen wird. Besonders relevant ist das bei bestimmten Therapien, etwa bei Osteoporose, Krebs, Parkinson oder bei der Einnahme von Blutverdünnern.

Kalzium und Osteoporose-Medikamente: Warum der Einnahmeabstand wichtig ist

Medikamente und Supplemente mit Wecker als Hinweis auf den richtigen Einnahmeabstand.

Bisphosphonate wie Alendronsäure oder Zoledronsäure werden bei Osteoporose eingesetzt. Gleichzeitig sind Kalzium und Vitamin D wichtig für die Knochengesundheit. Das klingt zunächst nach einer sinnvollen Kombination und ist grundsätzlich auch nicht falsch. Problematisch wird es, wenn Kalzium und Bisphosphonate zur gleichen Zeit eingenommen werden.

Kalzium kann die Aufnahme von Bisphosphonaten im Darm stark behindern. Das bedeutet: Das Medikament kommt schlechter oder gar nicht im Körper an und kann dadurch unwirksam werden. Besonders kritisch ist das, wenn das Bisphosphonat zusammen mit Kalziumtabletten oder kalziumreichen Lebensmitteln eingenommen wird.

Im Alltag sollte das Bisphosphonat deshalb morgens eingenommen werden und Kalzium erst mehrere Stunden später, zum Beispiel abends. Der Abstand sollte mehrere Stunden betragen. Außerdem sollte das Medikament nicht zusammen mit Milchprodukten, kalziumreichem Mineralwasser oder angereicherten Pflanzendrinks eingenommen werden.

Antioxidantien während Chemo- und Strahlentherapie: Wann Supplemente problematisch werden

Einige Krebsbehandlungen wirken unter anderem dadurch, dass sie in Tumorzellen oxidativen Stress auslösen. Genau dieser Stress trägt dazu bei, Krebszellen zu schädigen oder abzutöten. Antioxidantien wirken dem entgegen. Das ist im Alltag oft erwünscht, kann während einer Krebsbehandlung aber ungünstig sein.

Während einer Chemo- oder Strahlentherapie sollten keine antioxidativen Supplemente eingenommen werden. Dazu gehören unter anderem die Vitamine A, C und E, außerdem Resveratrol, Selen, Glutathion, OPC sowie hochdosierte Beeren- oder Grüntee-Extrakte. Sie könnten Tumorzellen vor genau dem Stress schützen, der therapeutisch gewollt ist.

Besonders wichtig ist der Zeitraum von einem Tag vor bis einen Tag nach der jeweiligen Therapie. Ob normale Lebensmittel denselben Effekt haben, ist nicht gut untersucht. Aus Vorsicht kann es sinnvoll sein, an den Therapietagen auch besonders antioxidantienreiche Produkte wie Smoothies, Gemüsesäfte oder größere Mengen grünen Tee zu meiden.

Vitamin B6 und Levodopa: Warum Supplemente bei Parkinson kritisch sein können

Levodopa ist ein Standardmedikament bei Parkinson. Hochdosiertes Vitamin B6 kann seine Wirkung abschwächen. Ab 5 Milligramm pro Tag kann das kritisch werden. Das ist wichtig, weil diese Menge über Supplemente schnell erreicht werden kann, über normale Ernährung aber meist nicht.

Also: Wer Levodopa einnimmt, sollte hochdosierte Vitamin-B6-Präparate vermeiden. Lebensmittel mit Vitamin B6 sind in diesem Zusammenhang normalerweise kein Problem. Entscheidend ist also nicht der Salat oder das Vollkornbrot, sondern das zusätzliche Präparat aus Dose oder Blister.

Vitamin K und Blutverdünner: Präparate sind wichtiger als grünes Gemüse

Phenprocoumon und Warfarin sind klassische Blutverdünner. Vitamin K kann ihre gerinnungshemmende Wirkung abschwächen. Dadurch kann das Risiko für Blutgerinnsel steigen. Wer eines dieser Medikamente einnimmt, sollte deshalb keine Vitamin-K-Präparate zusätzlich nehmen.

Wichtig ist aber: Vitamin-K-reiche Lebensmittel sind nicht automatisch gefährlich. Die früher oft empfohlene strenge „Marcumar-Diät“ mit wenig grünem Gemüse gilt heute nicht mehr als notwendig. Das Problem sind vor allem zusätzliche Vitamin-K-Präparate, nicht ein normaler Salat oder Brokkoli.

Omega-3 und Blutverdünner: Wann Supplemente das Blutungsrisiko erhöhen können

Bei Omega-3-Fettsäuren ist die Situation anders. Ab etwa 2 Gramm pro Tag können sie selbst die Blutgerinnung hemmen. Wer gleichzeitig Blutverdünner einnimmt, kann dadurch zu stark „verdünnt“ sein. Die Folge können Blutungskomplikationen sein, zum Beispiel Nasenbluten, Magenbluten oder ungewöhnlich starke Blutungen bei kleinen Verletzungen.

Wenn Sie bereits einen Blutverdünner einnehmen oder eine bekannte Gerinnungsstörung haben, sollten Sie Omega-3-Supplemente nicht auf eigene Faust hochdosiert einnehmen. Sinnvoll ist hier eine Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Worauf sollten Sie bei Supplementen und Medikamenten grundsätzlich achten?

Supplemente und Medikamente in verschiedenen Dosen als Hinweis auf mögliche Wechselwirkungen.

Die wichtigste Regel lautet: Nehmen Sie Supplemente nicht automatisch zusätzlich ein, nur weil sie „gesund“ klingen. Gerade bei Krebsmedikamenten, Parkinson-Therapien, Osteoporose-Mitteln und Blutverdünnern kann das Timing oder die Kombination entscheidend sein.

Im Zweifel sollte immer geprüft werden, ob das Präparat überhaupt nötig ist und ob es zum Medikament passt. Das gilt besonders dann, wenn Medikamente dauerhaft eingenommen werden oder eine schwere Erkrankung behandelt wird.

Fazit: Supplemente und Medikamente immer zusammen betrachten

Nicht jedes Vitamin und nicht jedes Mineral verträgt sich mit jedem Medikament. Manchmal macht nicht der Wirkstoff allein den Unterschied, sondern die Kombination. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Nahrungsergänzungsmittel deshalb nie als Nebensache behandeln.

Supplemente und Medikamente gehören immer zusammen betrachtet. Das heißt nicht, dass jedes Supplement problematisch ist. Es bedeutet aber: Die Kombination, die Dosierung und der Einnahmezeitpunkt können darüber entscheiden, ob eine Therapie wie gewünscht wirkt oder unnötig gestört wird.

Weitere Informationen:

Weitere Informationen zu möglichen Wechselwirkungen finden Sie hier:

Verbraucherzentrale: Wechselwirkungen mit Medikamenten

Krebsinformationsdienst: Wechselwirkungen zwischen Krebstherapien und Nahrungsergänzungsmitteln

Apotheken Umschau: Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Lebensmittel

Häufige Fragen zu Supplemente und Medikamenten

Können Supplemente und Medikamente sich gegenseitig beeinflussen?
Ja. Supplemente und Medikamente können sich gegenseitig beeinflussen, indem Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung von Medikamenten abschwächen, ihre Aufnahme blockieren oder Nebenwirkungen verstärken.

Welche Supplemente sind bei Medikamenten besonders kritisch?
Besonders kritisch können Kalzium bei Osteoporose-Medikamenten, Antioxidantien während Chemo- oder Strahlentherapie, Vitamin B6 bei Levodopa sowie Vitamin K oder hochdosiertes Omega-3 bei Blutverdünnern sein.

Darf man Supplemente einnehmen, wenn man regelmäßig Medikamente nimmt?
Entscheidend sind das konkrete Medikament, die Dosierung, der Einnahmezeitpunkt und die Frage, ob das Supplement überhaupt nötig ist.

Was sollte man vor der Einnahme von Supplementen beachten?
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Supplemente nicht als Nebensache behandeln. Sinnvoll ist eine Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, besonders bei schweren Erkrankungen oder Blutverdünnern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert