„Alkoholatlas Deutschland“ erschienen

Heute hat das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg den ersten „Alkoholatlas Deutschland“ veröffentlicht. Das Werk ist absolut lesenswert, mit sehr gut aufbereiteten Grafiken, detaillierter Recherche und allen Fakten, die man über den Alkoholkonsum in Deutschland braucht.

Copyright: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) 2017

Alkoholatlas: Beste Informationsquelle

Besonders dankbar bin ich für das eindeutige Statement, das den aktuellen Stand der Ernährungstoxikologie vollkommen zutreffend wiedergibt: „Es gibt keinen risikofreien Alkoholkonsum.“ – allen so häufig verbreiteten und ach so gern geglaubten „Empfehlungen“ zum Trotz, wonach doch regelmäßiger Alkoholkonsum so gut für das Herz sei, vor Demenz schütze usw. All das ist nämlich ohnehin längst widerlegt.

Fakt ist dagegen: Der Alkoholkonsum kostet die Gesellschaft in Deutschland jährlich ca. 40 Milliarden Euro. Ist das viel oder wenig? Zum Vergleich: Der gesamte (!) Etat des Bundesgesundheitsministeriums beträgt dagegen lächerliche 15 Milliarden Euro. Und auch die alkoholbezogenen Steuern machen das Netto-Ergebnis kaum besser: Diesen 40 Milliarden Euro als jährlichen Kosten des Alkoholkonsums  stehen staatliche Einnahmen aus alkoholbezogenen Steuern von lediglich 3 Milliarden Euro gegenüber (DHS Jahrbuch Sucht 2018).

Jährlich 20.000 Tote durch Alkohol in Deutschland

Jährlich sterben in Deutschland mehr als 20.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums; weitere 50.000 durch den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak. Ca. 10.000 Kinder kommen jährlich alkoholgeschädigt auf die Welt und mehr als 2,5 Millionen Kinder in Deutschland haben mindestens einen alkoholkranken Elternteil. Die Zahl der 10- bis 20-Jährigen, die wegen akuter Alkoholvergiftung stationär behandelt werden mussten, ist in seit dem Jahr 2000 um 135 % angestiegen (DHS Jahrbuch Sucht 2018).

Auch eine weitere Zahl ist verstörend: Mit 322.608 Behandlungsfällen (2016) ist die Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (F 10)“ die zweithäufigste Hauptdiagnose in deutschen Krankenhäusern überhaupt. Bei Männern ist dies sogar die häufigste Hauptdiagnose in Krankenhäusern (> 230.00 Behandlungsfälle pro Jahr) – weit vor Herzinfarkt, Schlaganfall oder sonstigen vermuteten Spitzenreitern (DHS Jahrbuch Sucht 2018).

Gebildete Frauen trinken am meisten

Der Alkoholatlas befasst sich jedoch nicht nur mit den ernährungswissenschaftlichen und ernährungstoxikologischen Facetten des Alkoholkonsums, sondern er liefert auch detaillierte und höchst anschauliche Fakten für alles, was mit Alkohol zusammenhängt. Beispielsweise wird mit der ebenfalls weit verbreiteten Legende aufgeräumt, regelmäßiger Alkoholkonsum wäre ein Problem der unteren Bevölkerungsschichten: Während 49 % der Männer mit niedrigem Sozialstatus mindestens einmal in der Woche Alkohol konsumieren, sind es bei den Männern mit hohem Sozialstatus ca. 70 %. Von den Frauen mit hohem Sozialstatus trinken ca. 50 % mindestens einmal wöchentlich Alkohol, und 21 % dieser Frauen sogar riskante Mengen. Bei Frauen mit niedrigem Sozialstatus konsumieren dagegen nur 9 % riskante Alkoholmengen.

Diese und tausend weitere Fakten finden sich ab sofort frei zugänglich, wissenschaftlich fundiert und hervorragend aufgearbeitet im „Alkoholatlas Deutschland.“ Eine echte Pflichtlektüre. Ergänzende Daten liefert das „Jahrbuch Sucht 2018“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.

Neueste Auswertungen zeigen außerdem, dass der von den ernährungswissenschaftlichen Fachgesellschaften verbreitete Grenzwert für den „risikoarmen Konsum“ von Alkohol deutlich zu hoch angesetzt ist: Alkohol ist bereits in viel geringeren Mengen als bisher angenommen gesundheitsschädlich, und die Behauptung, „ein Gläschen Wein pro Tag“ sei der Gesundheit sogar förderlich, gehört mit den aktuellen Studienergebnisse sowieso ins Reich der Legenden (Wood et al. 2018).

PS: Wer schon mal von der Idee gehört hat, dass Alkohol zusammen mit Tee, Tee-Extrakten und Lakritz gesünder wird, sollte das hier lesen.

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