Neu erschienen: „Krebs und Ernährung“ von Siegfried Knasmüller

Die Literatur zum Thema „Krebs und Ernährung“ füllt ganze Bibliotheken. Dennoch fehlt eine wissenschaftlich fundierte Übersicht, die auf widerlegte Hypothesen und abstruse Tier-Fütterungsstudien verzichtet. Diesen Anspruch hat das neue Werk von Siegfried Knasmüller. Hält das Buch, was der Klappentext verspricht?

Der Untertitel des Buches mit dem Titel „Krebs und Ernährung“ lautet „Risiken und Prävention – wissenschaftliche Grundlagen und Ernährungsempfehlungen“. Das klingt vielversprechend, doch als ernährungsmedizinischer Vielleser ist man skeptisch: Schließlich füllen die pseudowissenschaftlichen Titel und Ratgeberbände, die Ähnliches versprechen, sicherlich einige Regalmeter.

Optimale Gliederung

Das Buch liefert zunächst wichtige Grundlagenkapitel zur Karzinogenese, zu den Methoden und Modellen der Krebsforschung sowie zu den relevanten Aspekten der Nahrungsverarbeitung. Im Hauptteil werden dann in Bezug auf die Krebsentstehung Risikofaktoren, stabilisierende Faktoren und Schutzfaktoren ausführlich diskutiert. Abschlossen wird das Buch mit aktuellen Erläuterungen zu praxisrelevanten ernährungsmedizinischen Fragen wie „Schützen Obst und Gemüse vor Krebs?“ oder „Sind biologisch erzeugte Lebensmittel krebsprotektiv?“.

Grundlagenkapitel: auch für Ernährungsexperten sinnvoll

Wer als Ernährungsfachkraft denkt, dass die ersten 85 Seiten der Grundlagenkapitel überflüssig wären, der irrt: Dies gilt vielleicht für einige Absätze zur Nahrungsverarbeitung; die Hintergründe zur Karzinogenese und vor allem zur Bedeutung der Methoden der Krebsforschung im Kontext der Ernährungsmedizin dürften für die allermeisten Leser einige Aha-Erlebnisse bieten. Außerdem sind gerade diese Aspekte unerlässlich, wenn man die täglich publizierten Ergebnisse irgendwelcher Studien zum Thema „Lebensmittel xy schützt vor Krebs“ kritisch interpretieren möchte.

Risikofaktoren, stabilisierende Faktoren, Schutzfaktoren: Detailliert, fundiert und hochaktuell

Die Hauptkapitel zum Zusammenhang von Ernährung und Krebs bewegen sich auf wissenschaftlich hervorragendem Niveau: Anders als in den meisten anderen Publikationen zu diesem Thema wird stets deutlich unterschieden, ob Studienergebnisse auf Zellversuche, Tierexperimente oder Untersuchungen an Menschen zurückgehen. Korrelation und Kausalität werden nicht verwechselt, sondern differenziert. Und dort, wo es keine Daten gibt, wird dies explizit so benannt. Die verwendete Literatur ist durchgehend hochaktuell – auch dies ist in vergleichbaren Publikationen selten der Fall. Der wissenschaftliche Anspruch zeigt sich auch daran, dass bei den Risikofaktoren zwar publikumswirksame Aspekte wie PCB, Acrylamid oder Schwermetalle detailliert behandelt werden, an erster Stelle aber eben völlig zurecht Fleisch- und Alkoholkonsum diskutiert werden.

Bei den stabilisierenden Faktoren werden die B-Vitamine, Selen, Eisen, Zink und Vitamin dargestellt, und zwar immer präzise differenziert nach Methodik der Ergebnisse und nach Organsystemen getrennt. Optimal! Auch im Kapitel zu den Schutzfaktoren werden nicht nur die bekannten Verdächtigen wie ACE-Vitamine oder Polyphenole behandelt, sondern tatsächlich alles, was aktuell zu diesem Thema bekannt ist, also auch z. B. Glucosinolate, Gewürze, Milchsäurebakterien oder Sojaprodukte.

Achtung: Schwerpunkt auf der Prävention

Der absolute Schwerpunkt des Buches liegt auf der Darstellung potenzieller Risiko- und Schutzfaktoren, immer im Kontext der Krebsprävention. Bei einzelnen Substanzen (z. B.  Selen) wird auch auf Therapiestudien eingegangen, dies jedoch sehr begrenzt. Wer sich also über Ernährungsinterventionen im Rahmen der Krebstherapie informieren möchte, insbesondere über die ernährungsmedizinische Therapiebegleitung während der onkologischen Therapie, der sollte andere Autoren zur Hand nehmen.

Fazit: lohnenswert

Wer sich zum Zusammenhang von Krebs und Ernährung hinsichtlich Krebsprävention und Risikofaktoren wissenschaftlich fundiert, differenziert und aktuell informieren möchte, findet kein besseres deutschsprachiges Buch als dieses Werk von Siegfried Knasmüller. Der Verkaufspreis (69,99 EUR) ist sicherlich kein Schnäppchen, aber die Qualität der gelieferten Informationen ist dies sicherlich wert.